Ich hab ‘nen Platten! Die Fahrradwerkstatt unter der Mensa stellt sich vor

„Ich hab ‘nen Platten!“ – das ist der Ausruf, der wohl am häufigsten bei Eintreten in die Werkstatt zu hören ist. Die Tonalität schwankt dabei von verzweifelt-alarmiert „was soll ich denn jetzt tun?“ und euphorisch-begeistert „jetzt kann ich endlich wieder schrauben!“. Denn, um mit dem ersten Mythos der Fahrradwerkstatt aufzuräumen, es soll und darf mit angepackt werden. Das Motto lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“. Gerade die Möglichkeit, anderen zu unterstützen, auf den ersten Blick unlösbare Zweiradkatastrophen zu beheben, war es, die Lukas (25 / Visuelle Kommunikation B.F.A.) seit dreieinhalb Jahren für seine ehrenamtliche Tätigkeit in der Werkstatt begeistert.


Er ist einer der Studierenden, die das sechsköpfige Team bilden. Mindestens einer von ihnen ist immer vor Ort, wenn das bunt gemischte Publikum, angefangen bei Professoren und Mitarbeitern der Uni, über Erstsemester bis hin zu Austauschstudenten der Summer School, ihre platten Räder in die Werkstatt schiebt. Die Fahrradwerkstatt, eine Initiative des StuKo, gibt es seit 2000. Sie ist im Keller unter der Mensa untergebracht und vom Mensainnenhof aus über eine Treppe zu erreichen. Montags und donnerstags von 18-20 Uhr öffnet das Werkstatt-Team die Türen und stellt Werkzeug, Platz zum Werkeln und gibt Tipps und Anleitungen.  


Neben platten Reifen werden hier aber noch ganz andere Projekte in Angriff genommen. Selbstredend herrscht während der Spacekid-Headcup Saison Hochbetrieb. Aber das schon fast alltägliche Schrauben an Dynamos, das Zentrieren von Rädern oder Einstellen von Schaltungen wird vor allem von Großprojekten in den Schatten gestellt: In der Werkstatt entstehen auch komplett neue Räder, zusammengesetzt aus alten Einzelteilen und sorgsam aufgebessert. Ob ein ganz normales Stadtradl oder ein Lastenrad, das Ersatzteillager setzt der Fantasie nur wenige Grenzen.

So ist auch Lukas zu seinem Engagement in der Werkstatt gekommen: Eigentlich wollte er nur einen alten Rahmen, den er im Keller gefunden hatte, restaurieren und sich daraus ein neues Rennrad bauen, aber die Werkstatt hat ihn nicht mehr losgelassen. Nicht nur, dass er dort viele Freunde und ein großes Netzwerk gefunden hat, sondern besonders die vielen kniffeligen und anspruchsvollen Probleme, die ab und an in die Fahrradwerkstatt geschoben werden, haben ihn über die Jahre hinweg dabeibleiben lassen.
Alles Wissen haben sich Lukas und das Team selbst angeeignet. Durch „kaputt machen und austauschen“, wie es Lukas auf den Punkt bringt. Oft hilft nur ausprobieren und kreativ experimentieren. Manche Fälle, wie ein wackelndes Tretlager oder ein verrostetes, im Rahmen versenktes Sattelrohr, sind eben nicht an einem Tag zu lösen. Häufig kommt dazu, dass viele Hersteller dazu übergegangen sind, nicht genormtes Material zu verwenden, für das man spezielles Werkzeug braucht. Manchmal können diese Spezialteile bestellt werden, es kommt zuweilen aber auch vor, dass zum Fachmann verwiesen werden muss.
Dennoch – schnell aufgegeben wird nie. Gemeinsam lassen sich doch viele Aufgaben lösen und so entsteht nebenbei ein Treffpunkt zum Austauschen. Ein weiterer unberechtigter Mythos: Auch wenn man keine Ahnung von Felgenbremsen und dergleichen hat, ist das kein Grund, sich davon abschrecken zu lassen, mit seinem Rad vorbeizukommen. „Häufig braucht es nur eine kurze Erklärung und Anleitung und dann kann jeder alleine schrauben“, bekräftigt Lukas. Sollte man doch mal nicht weiter wissen, ist ständig jemand da, den man fragen kann. Eigentlich herrscht immer eine sehr entspannte Stimmung in der Werkstatt. Nur nach den letzten Prüfungen im Sommer wird es erfahrungsgemäß etwas eng, wenn jeder vor der nächsten Fahrradtour sein Rad noch fit machen möchte.
Letzter Mythos: Was viele nicht wissen – sollte das eigene Fahrrad nur noch unfahrbarer Schrott sein, dann ist es in der Fahrradwerkstatt immer noch gern gesehen. Als Ersatzteillager können auch alte Räder wieder Teil des Kreislaufs werden. Aus einem Rahmen vom Sperrmüll hat sich Lukas sogar ein Tourenrad gebaut und ist damit über die Alpen gefahren.
Fast noch mehr als Ersatzteile braucht das Team der Fahrradwerkstatt personelle Verstärkung! Gesucht wird jemand, der Lust hat, auf lange Sicht in das Team hineinzuwachsen und mit anzupacken. 


Wo: Fahrradwerkstatt unter der Mensa, Zugang vom Mensainnenhof aus über die Treppe hinter dem weißen Geländer unter den Fenstern des Speisesaals


Wann: Während dem Semester immer montags und donnerstags, 18-20 Uhr


Weitere Links:


Text: Anne Heimerl, 3. Semester Kulturwissenschaftliche Medienforschung (MA)
Bild: Judith Rautenberg, 9. Fachsemester Freie Kunst

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