Das Lichthaus

Zwischen vollgemalten Wänden und einem Toilettencontainer steht in Weimar etwas, das niemand erwartet: Ein Kino der besonderen Art. Das alte Straßenbahndepot erinnert an vergangene Tage und wirkt als sei seitdem nicht viel verändert worden. Das stimmt nicht ganz, weiß Betreiber Dirk Heinke. Er begann 1998 mit einem Freund hier einen Film pro Woche zu zeigen. Premiere war Eraserhead.


Das Gebäude bestand damals nur aus leeren Hallen. Eine davon mit charmantem alten Gebälke wurde bestuhlt, mit Leinwand versehen und zum Kinosaal umfunktioniert. Dazu gab es eine 35 mm Kinoanlage und Glühwein zur Aufwärmung zwischen den kalten Mauern.

Das Foyer

Die beiden Freunde hatten sich in das Schmuckstück verliebt und so wurde es über die Jahre saniert, umgebaut und am 24. April 2003 offiziell eröffnet- inklusive Toiletten, Strom und Heizung.Das Lichthaus war geboren.Wer durch die schwere Metalltür eintritt, befindet sich zunächst im Foyer. Hier gibt es neben Sitzgelegenheiten auch Snacks und Getränke. Alles bio, alles zu fairen Preisen. Popcorn darf niemand erwarten, dafür gibt’s leckere Chips, Schokolade und ein kühles Bier oder heißen Kaffee. 

Dirk hatte schon immer eine Leidenschaft für’s Kino. Dass er selbst einmal eines leiten würde, konnte er nicht ahnen. Der gebürtige Oldenburger zog zunächst nach München um Maschinenbau zu studieren. „Das war nicht so meins.“, weiß er heute. Es folgte das Studium der Mediengestaltung in Weimar. Auf dem Kunstfest lernte er Sven Opel kennen, der bereits für ein Kino arbeitete und einen Filmvorführer suchte. So wurden die beiden Freunde und schließlich Geschäftspartner. Sie beschlossen zusammen ihr „eigenes Ding“ aufzuziehen.


Mittlerweile ist ein richtiges Programmkino entstanden, täglich werden mehrere Filme gezeigt. Die Auswahl trifft Dirk meist selbst. Auch wenn ihm nicht jeder Film gefällt, so versucht er die Bandbreite abzudecken und vor allem immer einen gewissen kulturellen Anspruch zu liefern. So wird zwar nicht jeder Blockbuster gezeigt, dafür aber kleinere Produktionen, Independent-Filme aus dem In- und Ausland, sowie hin und wieder sogar ein Stummfilm. Außerdem gibt es jedes Jahr eine 35 mm Serie, bei der zum Beispiel Blues Brothers auf der Leinwand läuft – original wie in alten Zeiten.

Den Charme des Lichthauses bekommt jeder beim Filmschauen deutlich zu spüren.

Die Ton- und Bildqualität sind top, die Sessel bequem, manchmal knarzt aber der Boden oder es knistert irgendwo an der Decke. Das verleiht den Wohnzimmer-Flair und verstärkt die Lust sich noch tiefer in die Polster sinken zu lassen. Dirk nennt das „spirit of location“.
Der alte Geist des Ortes soll erhalten bleiben und den Menschen zu fairen Preisen angeboten werden. Tatsächlich beschwert sich hier kein Geldbeutel: Am Kinotag kostet der Eintritt für Studenten nur 4 Euro.
Das war aber noch nicht alles: Ab September 2015 gibt es neben dem Foyer auch noch ein kleines Restaurant, in dem eine brasilianische Bekannte von Dirk leckeres Essen kochen wird. Auch sonst ist einiges los im alten Straßenbahndepot. Im Sommer findet unter anderem das E-Werk (Gebäude gleich nebenan) Festival und das Backup Kurzfilmfestival statt. Das ganze Gebäude inklusive Innenhof werden dafür dekoriert und neben Filmen gibt es Musik, Essen, Trinken, Hängematten und alles was eine laue Sommernacht sonst noch braucht.
Die Begründer Sven und Dirk

Für studentische Initiativen findet das Lichthaus ebenfalls immer wieder gerne Platz. Die Universität kann das Kino mieten und Projekte von Studenten vorführen. Das können beispielsweise ein Master-Abschlussfilm oder Video-Essays aus einem Seminar sein. Studierenden wird hier eine originelle Plattform geboten. Dirk und Sven haben noch große Pläne für ihr Lichthaus, gerne würden sie auch die übrigen Räume des Straßenbahndepots mit kulturellen Angeboten füllen.

Dabei steht eins fest: Der „spirit of location“ wird mit allen Mitteln erhalten bleiben. Wer Lust hat sich einen Film oder einfach nur das schöne Gebäude anzusehen, kann täglich nachmittags und abends vorbeikommen. Es lohnt sich!
Wo? Kirschberg 4, 99423 Weimar
Preise:

Montag (Kinotag):          5 Euro | 4 Euro (ermäßigt)
Dienstag-Donnerstag:   6 Euro | 5 Euro (ermäßigt)
Freitag-Sonntag:           7 Euro | 6 Euro (ermäßigt)
Programmhefte liegen an der Theke aus oder unter Lichthaus Kino Weimar.
Text und Fotos: Violetta Ditterich, Medienwissenschaft (M.A.), 2. Semester

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