Tatort: Justizvollzugsanstalt (JVA) Nordvorstadt Weimar

Tatort…? Richtig! Die beliebteste Krimiserie Deutschlands, drehte nun schon zum dritten mal mit Christian Ulmen und Nora Tschirner den beliebten Weimarer Tatort in Weimar! (Wer hätte es gedacht?) Hauptschauplatz der Serie ist unteranderem natürlich das Polizeikommissariat. Als Kulisse hierfür diente bisher die ehemalige Justizvollzugsanstalt (JVA) in der nördlichen Innenstadt.
Schild der JAA Thüringen auf dem Block 80
Doch was passiert in dem Gebäude der JVA und der angrenzenden Jugendarrestanstalt (JAA) wenn nicht gerade der Tatort gedreht wird? Relativ wenig… Das Gelände um die JVA, von Fachleuten genannt: Block 80, ist momentan ein ziemlich toter Fleck auf der Stadtkarte von Weimar.

Mit diesem (Häuser-)block, der unteranderem noch einen Spielplatz, eine alte Turnhalle und die Other Music Academy (OMA) umfasst, sollte sich das 1. Fachsemester Urbanistik, am Anfang des Semesters und noch vor Semesterbeginn, im Rahmen des Einführungsprojekts eine Woche lang auseinandersetzen. Unter dem Titel Weimars nördliche Innenstadt – Eine Vision für den Block 80 wurde das Projekt von Arvid Krüger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Stadtplanung eingeleitet und geführt. 

Zunächst haben sich Lehrende und Erstsemester-Studierende gegenseitig im Institut für Europäische Urbanisik (IfEU) vorgestellt. Das offizielle Bekanntmachungsritual der Familia Urbanista war damit abgeschlossen und man durfte sich nun gegenseitig duzen. 
Danach ging das eigentliche Projekt los: Man sollte zunächst in Hinblick auf verschiedene Themen, in Gruppen den Block und seine Umgebung analysieren, sowie Experten_innen-Interviews oder sogenannte Blitzinterviews mit Passant_innen durchführen. Diese durften die Ersti Urbanist_innen gleichmal während des kurzen Wintereinbruchs im Oktober durchführen und dabei den ersten Schnee im Jahr genießen.
Südfassade der Other Music Academy (OMA)
Die Ergebnisse der Analyse wurden dann visuell, kartographisch oder zeichnerisch in der Zwischenpräsentation zwei Tage später vorgestellt. Es hat sich herausgestellt, dass der Block nicht nur als Drehort bekannt ist, sondern dass es ebenso ein sehr geschichtsträchtiger Ort ist, der in der Vergangenheit eher negative Schlagzeilen machte. Er diente während der NS-Zeit und unter dem SED-Regime nämlich ebenso dem Strafvollzug: Gedenktafeln an den Gebäuden erinnern noch heute an den Holocaust sowie den stalinistischen Terror.
Ebenso kam zutage, dass die Anwohner weiterhin Interesse an der Turnhalle und dem Spielplatz haben und dass schon ein Neubau in Erwägung gezogen wurde. Die anliegende OMA zeigte ebenfalls Interesse an den Freiflächen auf dem Block… zur freien Gestaltung oder für Urban-Gardening-Projekte. Außerdem möchte das Landesgericht Thüringen im ehemaligen Gebäude der JVA ein Gerichtszentrum einrichten. Eine weitere Erkenntnis war, dass es eine KITA Problematik in der Nordvorstadt gibt: zu wenig Plätze für viele junge Familien mit Kindern. Eine Menge Input also erstmal.
Pinnwand und offene Bibliothek am Eingang der OMA
Auf Basis der Ergebnisse dieser Analyse wurde anschließend in Konzeptgruppen ausschweifend diskutiert: Welches Potential hat dieses Gelände? Welchen Interessen der verschiedenen Akteure sollte man nachgehen? Wie geht man mit dem geschichtlichen Hintergrund des Blocks um? Und welche Bedeutung oder Nutzen sollte dieser Block in Zukunft für die Nordvorstadt und Weimar haben? Bis hin zu Fragen der späteren Gestaltung und Umsetzung. Den Studenten wurden während der Konzeption eigentlich keine Grenzen gesetzt und jeder konnte sich in den Gruppen frei und kreativ einbringen. Doch das Zusammenführen der vielen Ideen jedes Einzelnen war nicht einfach. Viele wollten alle Ideen in einem Konzept unterbringen und packten den Block bis zum Rand voll: Flüchtlingsheim , Turnhalle, Mensa, Arbeitsräume, Spielplatz, Gedenkstätte, Museum, Café, Kindertagesstätte… Nahezu alles Erdenkliche wollte man umsetzen.
JAA mit Gefängnismauer, im Vordergrund die Freifläche des Block 80

Die letzte Veranstaltung des Einführungsprojektes war die endgültige Abschlusspräsentation der Konzepte. Diese mussten im  »Pecha-Kucha« Format präsentiert werden. Das heißt jede Gruppe hatte nur 20 Folien und nur 20 Sekunden Zeit pro Folie, um das Konzept vorzustellen. Trotz der sehr knappen Vorgaben hatte es jede Gruppe geschafft ihr Konzept kurz und prägnant vorzustellen. Die anwesenden Lehrstühle Raumplanung und Stadtplanung sowie die beiden Studiengangsleiter_innen Max Welch Guerra und Barbara Schönig haben am Ende der Präsentationen Feedback und Anregungen an die Erstis weitergeben.

Rückblickend war es eine sehr spannende Woche, die die Erstsemester Studenten auf den Studiengang optimal eingestimmt hat und einen Eindruck gegeben hat, wie die Arbeit eines Stadtplaners funktioniert. Die Einführungswoche in Weimar ist auf jeden Fall immer etwas Besonderes: Die Architekten tanzen meist in selbst entworfenen verrückten Kostümen, während die Kollegen der Urbanistik durch die Stadt wandern, Passanten interviewen und verschiedene Orte in Weimar genauer erkunden. Vielleicht wirst auch du ihnen mal Anfang des Wintersemesters begegnen! 


                                                                      Jonathan Hock, Urbanistik (B.Sc.), 3. Semester 

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