Top gestartet mit den Tutoren: Erstiwoche 2017

Wie es war, die Einführungswoche der Bauhaus-Universität Weimar als Tutorin zu erleben.

Foto: Anna Perepechai
Montag, 2. Oktober. Es ist früh, aber ich bin schon lange wach – es gab noch ein paar Dinge zu organisieren. Der Schlüssel von unserem Arbeitsraum ist abgeholt, die Stühle sind zu einem Kreis gestellt, der Willkommens-Tisch ist eingedeckt, der Schreib-Kram liegt bereit, das Tutoren-Programm ist ausgedruckt, Facebook und WhatsApp-Gruppen sind organisiert – wir sind vollkommen vorbereitet, unsere VK-Erstis willkommen zu heißen. Ich ziehe mein graues Tutoren-T-Shirt an und mache mich auf den Weg ins Audimax. Es ist frisch und teilweise sonnig, fast wie letztes Jahr, als ich neu nach Weimar gekommen bin, fast niemanden an der Uni kannte und neugierig darauf war, wie das Studium “ab jetzt” mein Leben verändern würde. Heute bin ich die Erstiwoche-Tutorin und freue mich, dass ich in einem Jahr genug Erfahrungen gesammelt habe, um den neuen Erstsemesterstudierenden, zusammen mit meiner Kommilitonin Joy, etwas erzählen zu können und nochmal Spaß bei der Erstiwoche zu haben.

Gut zu wissen: Die Erstiwoche ist eine einwöchige Veranstaltung, organisiert von der Bauhaus-Universität Weimar, StuKo, StuRa HfM, Studentische Initiativen und Studierenden. Die Vorbereitungen fangen schon im Sommer an. Dann bewerben sich engagierte Studierenden von allen Fakultäten, die Lust haben, als Tutoren an dieser Woche mitzuwirken. Bis zum Oktober gestalten sie gemeinsam ein Programm, das voll mit verschiedene Veranstaltungen ist: Fachschaftsnachmittag, Wilkommen-, Ersti-, Immatrikulationsparties, Stadtrallye, Meet and Eat, Movie Lounge usw. Die Tutoren helfen den Erstsemestersstudierenden dabei, die Uni, die Stadt und, natürlich, die Komillitonen kennenzulernen, geben verschiedene Informationen und Tipps, die für die nächsten Semester hilfreich sein könnten, laden zu Kneipentouren ein, und, je nach Fakultät, veranstalten die Tutoren ihr eigenes Programm, das informativ und einladend sein sollte.
Der Audimax ist voll mit Menschen. Nach der offiziellen Begrüßung stellen sich der StuKo und einige Studentische Initiativen vor. Daraufhin informieren die Tutoren über die Gruppeneinteilungen und den ersten Treffpunkt der Erstsemesterstudierenden. Wir haben uns mit unserer Gruppe im Innenhof der Bibliothek getroffen. Nach fünf Minuten haben sich alle versammelt und wir sind alle zusammen zur M1 (Marienstraße 1) gelaufen, wo alles begann. In unserer Gruppe waren 29 Erstis und noch weitere drei haben sich im Laufe der Woche gemeldet.
 
Foto: Jascha Fibisch
Das erste Treffen und die ersten Kennenlernspiele sind oft die unangenehmsten. Und es ist natürlich klar, dass die meisten echt “viel” Lust auf die erste Vorstellungsrunde haben. Um alles einfacher und lockerer zu gestalten, haben Joy und ich entschieden, unsere Seriösität vor der Tür zu lassen. Es ist immer besser, zu viel als zu wenig zuspielen, haben wir uns gedacht. Deshalb haben wir versucht, die Namen über verschieden assoziative Spiele zu lernen und gleichzeitig die Personen dabei besser kennen zu lernen. Schon nach ein paar Stunden erzielten wir ein Ergebnis – wir konnten uns an viele Namen erinnern, die Atmosphäre im Raum war dynamisch und locker und es wurde viel gelacht – das war das Wichtigste.
In den folgenden Tagen unseres Tutorenprogramms konnten die Erstsemesterstudierenden Uni-Veranstaltungen besuchen und mit der Gruppe bei einem Kaffee, in der Mensa, bei einem Bier oder auf Partys beisammen sein und die Stadt kennenlernen. Wir haben Präsentationen über die Universität generell sowie den Fachbereich Visuelle Kommunikation vorbereitet, einen Bauhaus-Spaziergang und eine Campustour gemacht, in der wir die wichtigsten VK-Spots mit einbezogen haben. Andere Studierende aus höheren Semestern haben von ihren Erfahrungen erzählt und bei einem gemeinsamen Mappenfrühstück haben wir uns gemeinsam mit den Produktdesign-Erstis über unsere Arbeiten ausgetauscht und jeder hatte die Möglichkeit, seine Mappe und Bewerbungsarbeiten den anderen zu zeigen. An unserem letzten Tag haben wir die Werkstätten besucht.
Foto: Anna Perepechai
Es gab ein paar von der Uni vorgeschriebene Aufgaben, die alle Tutoren organisieren mussten: Es mussten die Erstiwoche-Bändchen und thoskas abgeholt werden, im SCC wurden die Logins und Kennwörter für den Internet- und E-Mailzugang vergeben, in der Bibliothek wurden die Bibliothekaccounts freigeschaltet und eine Führungen durch die Bibliothekorganisiert. Den Rest konnten wir selbst gestalten und haben unseren Plan auch auf die Wünsche der Erstis umgesetzt. Wir waren flexibel in unseren Zeiten und wenn die Party mal länger ging, war es kein Problem, das Treffen auf später zu verschieben.
Es war eine dynamische und spannende Woche, die Weimar und unseren Campus nach den ruhigen Semesterferien endlich wieder aufgeweckt hat. Ca. 850 Erstsemesterstudenten haben in diesem Jahr angefangen, als  Bachelor oder Master an der Bauhaus Universität Weimar zu studieren. Einer von ihnen ist der Architektur-Student Julian, er hat für die Bauhaus.Botschafter einen Kommentar gegeben, wie seine Einführungswoche für ihn war:
«Schon bevor nach Weimar gekommen bin, war ich sehr überrascht, mit wie viel Mühe die Einladung und das dazugehörige Programm zur Erstiwoche gestaltet war. Als ich schließlich in Weimar ankam, halfen mir die aufwändig organisiert wirkenden Veranstaltungen dabei, von der ersten Minute an mit allen möglichen Menschen in Kontakt zu kommen und erste Freundschaften zu Knüpfen. Ich hatte somit von Anfang an das Gefühl, am Richtigen Ort zu sein und die Richtige Entscheidung getroffen zu haben.»
Die Erstsemesterstudierenden wurden von insgesamt 71 Tutorinnen und Tutoren betreut. Jeder einzelne hat eigene Gründe für die Arbeit als Tutorin oder Tutor. Zum Beispiel Tuyet. Sie hat die Produkt Designer betreut und fand es cool:
„Als ich damals (im WiSe2016/17) angefangen habe zu studieren, waren meine Tutoren super cool. Wir hatten durch sie eine angenehme Zeit und einen schönen Start in Weimar. Ich wollte, dass die nächste Generation das Gleiche erlebt. Wir waren fünf Tutoren für 20 Studierenden (Bachelor und Master). Um eine optimale Studienbetreuung zu garantieren, entstehen kleine Jahrgänge, sodass es Sinn macht, sich schon am Anfang ein größtmöglichstes Netzwerk aufzubauen. Wir haben immer etwas zusammen gemacht und es ist ganz cool gewesen. Ich finde die Woche war insgesamt sehr erfolgreich und es hat uns mega Spaß gemacht. Wir haben zum Beispiel ein interdisziplinäres Treffen mit anderen Fachbereichen organisiert, bei dem sich alle gegenseitig ihre Mappen zeigen konnten. Außerhalb der Uni haben wir viel zusammen gemacht und es haben sich schon einige Leute gefunden. Jetzt, nachdem ein bisschen Zeit vergangen ist, bin ich immer noch jeden Tag im Ersti-Raum und gucke, wie es ihnen geht und was sie so machen. Es ist bei uns quasi Tradition, dass die Drittsemester immer die Erstis betreuen, da sie noch am nächsten dran sind“.
Mirko von den Medienkünstlern hat schon zum zweiten Mal die Erstis als Tutor betreut. Er hat uns auch kurz von seiner Tutor-Erfahrung erzählt:
Foto: Anna Perepechai
„Ich finde es wichtig, den Erstsemesterstudierenden schon am Anfang zu erzählen, dass man viel Eigeninitiative im Studium zeigen muss. Je früher man das checkt, desto besser. Als ich letztes Jahr zum ersten Mal ein Tutor mit noch drei weiteren Kommilitonen war, haben wir den Erstis versucht zu erzählen, worauf es wirklich ankommt im Studium. Wir haben nicht nur darüber geredet wie die Regelstudienzeit aussieht und was man belegen muss, sondern auch wie man sich gut durch Medienkunst/Mediengestaltung schlagen kann, wie wichtig es ist, ein Portfolio zu gestalten und viel Engagement zu zeigen. Es ist besser, das schon zu Beginn zu wissen, als sich ein paar Semester später über die verschwendete Zeit zu ärgern.
Dieses Jahr haben wir natürlich die wichtigsten Sachen erzählt, haben ein paar ungeplante Situationen gelöst und eine große Bauhaus/Uni/Weimar-Tour organisiert, in der wir sogar manche versteckte Orte entdeckt haben. Meine Kommilitonin Jessica Krecisz hat mit mir zusammen die Erstis betreut, sie ist auch Bauhaus Botschafterin und führt manchmal Touristen über den Campus, sie kannte sich von daher sehr gut aus und konnte viel erzählen“.
Die Erstiwoche ist von Jahr zu Jahr anders, aber auch nach vielen Jahren erinnert man sich noch mit einem warmen Gefühl an sie. Die Fakultät Bauingenieurwesen hat ein ziemlich straffes Erstiprogramm, über welches uns der Master-Studierende Maximilian Wunsch erzählt:
Nach der großen Begrüßung aller Erstis in der Mensa, steht für die neuen Studis der Fakultät B schon die erste Herausforderung an: Der traditionelle Eisbrecher am ersten Tag der Einführungswoche ist der Bierkastenlauf. Dieser wird gemeinsam von den Ersti-Tutoren und dem Faschschaftsrat B organisiert und läuft folgendermaßen ab:
  • Die sich gegenseitig noch größtenteils unbekannten Erstis finden sich in Gruppen von 3 bis 5 Personen zusammen. Je bunter die Herren, Damen und Nationalitäten gemischt sind, desto besser!
  • Ziel ist es, in der Gruppe die Stadt zu erkunden. Dabei sollen verschiedene Stationen angelaufen werden, wobei der erste Gang für alle Gruppen zum Nahkauf führt, da die Stadttour mit dem gemeinsamen Leeren eines Bierkastens verbunden ist. Auf dem Weg dorthin haben sich die verschiedenen Geschmäcker hoffentlich schon ausgetauscht, ob es nun Bayrisches Weizen, Sächsisches Pilsner oder doch die Discountvariante sein soll.
  • Gut bepackt machen sich die Gruppen auf den Stationenrundlauf. Dabei muss stets mit ingenieurhafter Präzision zwischen Lauf- und Trinkgeschwindigkeit abgewogen werden.
  • An den einzelnen Stationen warten ältere Studierende der Fakultät darauf, die Neuen mit kreativen Aufgaben und/oder regionalen Spirituosenspezialitäten (Pfeffi!) auf das Herzlichste begrüßen zu dürfen. Ob nun Akrobat, Literaturkennerin oder gestandene Leber – alle Fähigkeiten werden gebraucht!
  • Das erfolgreiche Absolvieren einer Station wird feierlich mit dem Bemalen eines Fingernagels quittiert und die Gruppe zur nächsten Station geschickt.
  • Nach einer guten Stunde ist Halbzeit und es trennt sich die Spreu vom Weizen. Gruppen, deren Fingernägel noch nicht bunt glänzen oder noch mehr als 10 Flaschen Bier zu tragen haben, müssen um eine gute Platzierung hart kämpfen. Wer allerdings schon zu viel vom goldenen Saft hatte, für den wird der Weg sehr, sehr lang.
  • An der M18 wartet die Finaljury – bestehend aus den erfahrensten und verdientesten Studierenden der Fak B – auf die Gruppenankünfte. Die letzte Aufgabe, z.B. ein kleines Theaterstück, mag nur antreten, wer den Kasten geleert hat. Oft kommt es zu regelrechten Showdowns der führenden Gruppen um den letzten Schluck!
  • Den Gewinnern winkt nicht nur Ruhm und Ehre für das gesamte nächste Semester (oder zumindest für die noch junge Ersti-Woche), sondern auch eine Super-Spezial-Überraschung, die an dieser Stelle nicht verraten werden soll.
  • Bei all dem Spaß, passen die Fak B Studierenden gegenseitig auf sich auf, damit kein Ersti schon am ersten Tag in den Gassen Weimars verloren geht. Der Bierkastenlauf ist nicht nur Begrüßungsritual, sondern insbesondere auch Kontaktbörse. Hier geschlossene Bekanntschaften entwickeln sich nicht selten zu Freundschaften, die das gesamte Studium überdauern.
Nach diesem gespannten Abenteuer, nehmen auch die Erstis der Fakultät Bauingenieurwesen am Standardprogramm teil“.

 

Anna Perepechai, B.A. (Journalismus), Visuelle Kommunikation, 3. Semester

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